Tiere als Dienstleister des Menschen: Von einer gestörten Mensch-Tier-Beziehung

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Unser Verantwortungsgefühl Tieren gegenüber hält sich trotz unserer Abhängigkeit von ihnen in Grenzen. Ein Plädoyer für ein respektvolleres Miteinander von Mensch und Tier.

Wir essen sie, ziehen sie an, experimentieren an ihnen und benutzen sie als Seelenklempner: Ohne Tiere und tierische Produkte sähe unser Leben vollkommen anders aus. Aber stell dir vor, Menschen wären niemals auf die Idee gekommen, Tiere für sich zu nutzen. Es gäbe kein Fleisch, keine Milch und keine Eier. Wir würden uns kein Leder anziehen und nicht mit Daunen zudecken. Medikamente müssten wir an uns selber testen und im Zirkus gäbe es nur Clowns und Artisten zu sehen. Was für einen kleinen Teil der Menschheit wie die Lösung aller Probleme klingt, ist für die meisten unvorstellbar. Wir Menschen brauchen Tiere – in fast jedem Lebensbereich.

Wenn man sie danach fragt, bezeichnen sich die meisten Menschen als Tierfreunde. Die riesige Anzahl der Haushalte mit Haustieren und die große Nachfrage nach Freizeitangeboten mit Tieren scheinen die Tierliebe unserer Gesellschaft zu bestätigen. Doch sind Tiere wirklich unsere Freunde? Oder besser gesagt: Sehen wir sie wirklich als Freunde an – oder doch eher als Lieferanten und Dienstleister, um uns das Leben so angenehm wie möglich zu machen?

Tiere als Produktlieferanten und Testobjekte

Vor allem die Industrialisierung hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass einigen Tierarten der Status Lebewesen weitestgehend abgesprochen wurde. In der heutigen industriellen Nutztierhaltung ist es unmöglich, jedes Tier artgerecht zu behandeln. Bei der Unmenge an tierischen Produkten, die wir Menschen konsumieren, fehlt es schlichtweg an Zeit, um jedem Tier gerecht zu werden. Die Tiere werden als Rohstoffe behandelt – das einzelne findet kaum noch Beachtung. Stattdessen gibt es automatische Fütterungen, Säuberungen und Tötungen, Futter, das kein Tier in der Natur fressen würde, und schlechte Haltebedingungen. Tote, kranke und verletzte Tiere als Folge davon werden einfach in Kauf genommen.

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Tierversuche stellen einen weiteren großen Bereich dar, der die gestörte Beziehung der Menschen zu den Tieren sehr deutlich macht. Bei der Herstellung von Medikamenten sind sie ein fester Bestandteil. Aber auch Luxusartikel wie Kosmetika werden an Tieren getestet – etwas, das nicht überlebensnotwendig und damit eigentlich nicht zu rechtfertigen ist.

Tiere als Freizeitbeschäftigung

Diese beiden Formen der Ausbeutung kritisieren mittlerweile zum Glück immer mehr Menschen, sodass langsam ein Umdenken stattfindet. Die Zahl der Vegetarier steigt stetig an und viele Kosmetikfirmen sprechen sich gegen Tierversuche aus. Das ist gut so und absolut notwendig. Doch unsere (oft unbewusste) Sicht auf die Tiere als weniger wertvolles Leben bringt noch viele weitere Probleme mit sich. Um zu erkennen, wie gestört die Mensch-Tier-Beziehung wirklich ist, muss man auch solche Dinge kritisch sehen, die für die allermeisten Menschen sogar eine Errungenschaft darstellen.

Da wären zum einen Zoos, Zirkusse und sonstige Einrichtungen, die Menschen in ihrer Freizeit besuchen. Klar, man lernt in Zoos viel über die verschiedenen Tierarten und kann live bewundern, was man sonst vielleicht nie zu Gesicht bekommen würde. Aber auch das setzt – wie in den beiden oben genannten Bereichen – die Überzeugung voraus, dass Zootiere nicht um ihrer selbst willen existieren, sondern um uns Menschen zu dienen. Im Falle von Zoos nutzen wir sie also zu Unterhaltungs- und Lernzwecken. Das Argument, dass Zoos zum Artenschutz beitragen, ist hinfällig, wenn man beachtet, dass menschliche Wünsche und Lebensvorstellungen überhaupt die Gründe für das Artensterben sind.

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Unter dem Deckmantel des Arten- und Naturschutzes versteckt sich auch die Jagd. Ohne sie würde die Zahl der Wildtiere überhandnehmen, sagen ihre Befürworter. Wildpopulationen regulieren sich von selbst, sagen die Gegner. Und schon angesichts der Wichtigkeit des Arten- und Naturschutzes drängt sich doch die Frage auf: Ist es nicht unverantwortlich, dass Hinz und Kunz innerhalb weniger Wochen den Jagdschein absolvieren und herumballern darf? Seien wir ehrlich: Das klingt mehr nach Hobby als nach ernst gemeintem Naturschutz.

Auch Haustiere sind oft Mittel zum Zweck

Der nächste Punkt wird sicher bei vielen Menschen Ärger hervorrufen: Wie sieht es denn mit Haustieren aus? Für viele ist ein Haustier mehr ein Familienmitglied. Sie kümmern sich um seine Bedürfnisse und behandeln es so, wie es behandelt werden will. Diese Form der Tierliebe ist absolut in Ordnung. Trotzdem gibt es auch beim Thema Haustiere ein paar Kritikpunkte: Erstens wird gezüchtet, was uns Menschen gefällt – selbst wenn es Schmerzen oder körperliche Einschränkungen für die Tiere bedeutet. Zweitens wird vielen Haustieren einiges abverlangt, was nicht ihrer Natur entspricht. Möchten Pferde etwa dressiert werden, sind Hunde gerne stundenlang allein, fühlen sich Reptilien in Terrarien wohl und wollen Kaninchen wirklich von Kindern durchgeknuddelt werden? Diese Beispiele zeigen, dass es den Haltern nicht in erster Linie um das Wohl ihres Tieres geht.

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Es ist an der Zeit, Tiere als Mitgeschöpfe anzuerkennen. Mitgeschöpfe, die das Recht haben, ihrer Natur entsprechend zu leben – genau wie wir Menschen das Recht haben, unser Leben nach unseren Wünschen zu führen. Anders als wir können sie dieses Recht zwar nicht einfordern. Das heißt aber nicht, dass sie keines haben.

Wir leben in einem Zeitalter, in dem die Menschen die Erde erstmalig mitgestalten (Stichwort Anthropozän). Wir herrschen über die Erde und alle Wesen, die auf ihr leben. Viel Macht bringt aber immer viel Verantwortung mit sich. Diese Verantwortung darf nicht bei den Tieren enden.

Tiere leben mit uns, nicht für uns

Dass die Menschen Vorrang vor den Tieren haben, ist meiner Meinung nach ein veralteter Gedanke. Jede Spezies will überleben und stellt ihre Bedürfnisse über die der anderen. Wir sind heutzutage aber in der Lage zu überleben, ohne dass andere Wesen dafür leiden müssen. Wir müssen kein Fleisch essen, um heranzuwachsen. Wir müssen uns keine fremde Haut anziehen, um uns zu wärmen. Wir müssen keine wilden Tiere einsperren, um sie zu bewundern. Wir haben Millionen andere Lebensmittel zum Sattwerden, zahllose alternative Materialien für Klamotten und genügend Mittel und Wege, um Elefanten, Tiger und Co. auf Bildschirmen oder live in der Wildnis zu sehen.

Es ist Zeit zu begreifen, dass Tiere nicht für uns, sondern mit uns auf der Welt sind. Wir bilden eine Gemeinschaft, unsere Lebensbedingungen hängen voneinander ab. Sie haben es verdient, dass wir sie nicht als Sache ansehen, die wir nach Lust und Laune nutzen können – ob als Fleischlieferant, Versuchskaninchen, Belustigung oder Jagdobjekt.

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