Diese Sache namens Verantwortung

Verantwortung für Tiere Moral Tierschutz

Man trägt sie, man gibt sie ab, man weist sie von sich – mit Verantwortung lässt sich auf ganz unterschiedliche Weise umgehen. Der erste Schritt zu einem tierleidfreien Leben kann jedoch nur mit einer einzigen beginnen.

Menschen neigen dazu, sich zu rechtfertigen, anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben und die Verantwortung bei anderen zu suchen. Ich denke, der Grund dafür ist der, dass wir uns fast alle Gedanken darüber machen, was andere von uns denken. Keiner will schuld sein, keiner will etwas Falsches tun, keiner will für etwas die Verantwortung tragen, was andere schlechtheißen könnten. Es ist so einfach, nicht schuld zu sein.

Ein Beispiel zum Thema Tierausbeutung: Otto Normalverbraucher ist generell ein freundlicher Mensch, der hilft, wo er kann, und mit dem jeder gut zurechtkommt. Er liebt seinen Hund und erfreut sich an der Natur. Vielleicht trägt er sogar Spinnen von der Wohnung in den Garten, statt sie einzusaugen, und hilft ehrenamtlich bei der Tafel. Er kauft nur hochwertige Sachen und achtet auf plastikfreie Verpackungen. Und er isst gerne Fleisch. Genau hier taucht für mich immer ein und dasselbe Problem auf: Ich kapiere nicht, warum ein netter, liebenswürdiger und achtsamer Mensch in Kauf nimmt, dass andere Wesen für ihn leiden.

Die Erklärung, die mir am ehesten einleuchtet, ist diese: Er weist die Verantwortung von sich. Er isst nun einmal gerne Fleisch, aber er kann eben nichts dafür, dass die Fleischindustrie es nicht hinbekommt, die Tiere nicht zu quälen. Das ist doch nicht seine Schuld.

Keiner will schuld sein – und trotzdem passiert es

Das Problem ist nur, dass das jeder in der langen Reihe an Menschen denkt, die nötig sind, um das Tier auf den Teller zu kriegen.

Der Bauer denkt: Da kann ich doch nichts dafür, dass die Bestimmungen so und so sind und dass die Leute fast nichts bezahlen wollen, sodass ich mein Schwein im Dreck halten und mit Dreck füttern muss. Der LKW-Fahrer denkt: Da kann ich doch nichts dafür, dass die Schweine so wenig Platz haben und so lang durch die Gegend gefahren werden, denn ich habe das System nicht erfunden und muss irgendwie mein Geld verdienen. Der Mitarbeiter im Schlachthaus denkt: Da kann ich doch nichts dafür, dass die Schweine manchmal gar nicht richtig tot sind, bevor sie aufgeschlitzt werden, ich bekomme eben nicht mehr Zeit pro Tier. Und der Kunde vor der Fleischtheke heißt Otto Normalverbraucher und denkt sich – ja, genau das, was ich oben beschrieben habe. Erkennst du den Kreis aus abgegebener Verantwortung?

Ich verrate dir aber was: Nur der Kunde kann etwas ändern. Die Nachfrage bestimmt das Angebot – wenn du also Fleischesser und Tierfreund bist, dann überleg dir Alternativen zum Fleisch, das aus Mastbetrieben stammt.

Du trägst die Verantwortung – immer und überall

Vielleicht bist du bisher überzeugt, dass es nicht in deinem Verantwortungsbereich liegt, wo dein Fleisch herkommt, weil du es nicht direkt beeinflussen kannst. Du lebst eben nicht auf dem Land, kannst dir keine eigenen Hühner halten und hast außerdem gar keine Zeit, dich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Aber du trägst trotzdem die Verantwortung. Es gibt nämlich nicht nur die direkte, sondern noch eine zweite Form der Verantwortung.

Stefan Gosepath ist ein deutscher Philosoph, der zwischen der primären und der sekundären moralischen Verantwortung unterscheidet. Die erste ist die des eigenen Handelns (du tötest kein Tier selbst). Die zweite bezeichnet die Art von Verantwortung, die sich aus dem Erkennen von Unrecht ergibt (du weißt, dass jemand anders ein Tier tötet). Wenn du also etwas Unrechtes bemerkst, trägst du die Verantwortung, es zu entfernen – auch wenn du für das Entstehen dieses Unrechts nichts kannst. Die Verantwortung trägst du in diesem Fall allein deshalb, weil du in der Lage bist, etwas dagegen zu unternehmen.

Jeder Mensch will frei sein – frei in seinen Taten, Worten und Meinungen. Nur leider passt dieses Bedürfnis nicht mit der Abgabe der Verantwortung zusammen. Genau deshalb, weil wir alle (zumindest in Deutschland) frei sind, tragen wir die Verantwortung. Das ist eben so, keiner kann frei und ohne Verantwortung sein.

Der Grund für mich, über Tierschutz zu schreiben

Tatsächlich ist genau diese zweite Art von Verantwortung der Grund für diesen Blog. Ich hatte in den letzten Jahren immer das Gefühl, dass ich dazu verpflichtet bin, mehr für den Tierschutz zu tun, als einfach nur auf Fleisch zu verzichten – weil ich mich ohnehin jeden Tag mit dem Thema auseinandersetze. Durch meine Gedanken und Gefühle dazu fühlte ich mich in der Verantwortung, noch einen größeren Beitrag zu leisten.

Hast du auch das Bedürfnis, noch mehr zu tun? Oder tust du sogar schon etwas? Dann schreib es mir.

Ich freu mich, wenn du aktiv wirst und diesen Text weiterschickst oder die Message in eigenen Worten verbreitest. Trage die Verantwortung für dein Tun und gib den Stimmlosen deine Stimme.

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