Wie ich vom Leder wegkam

Leder Schuhe Taschen Mode

Mode aus Leder ist toll, ja. Sie sieht schön aus und hält ewig. Aber die Haut muss ja auch irgendwie runter vom Tier. Oft ist die Suche nach Alternativen langwierig – sie fühlt sich am Ende aber immer gut an.

Lange Zeit dachte ich, Leder wäre nur ein Produkt, das beim Schlachten von Tieren sowieso anfällt, weshalb der Kauf kein Problem darstellen würde. Wenn ich ehrlich bin, dachte ich mir schon, dass es nicht so ist und dass ich mich eigentlich selbst belüge. Warum? Weil ich nun einmal ein Mensch mit Schwächen bin und der Weg zum berühmten Klick bei mir oft sehr lang ist.

Wahrscheinlich ist die Lederepisode das beste Beispiel dafür, dass es bei mir ein langer Prozess war, bis ich alles wusste, was ich heute weiß, und auch verinnerlicht hatte. Bei manchen Menschen mag es von jetzt auf gleich klicken, bei mir gab es viele kleine Klicks innerhalb einiger Jahre.

Woher stammt das Leder? Keine Ahnung!

Beim Thema Leder kam der Klick von außen. Wie gesagt, ich belog mich selbst. Weil mir hohe Qualität wichtig ist und Leder so schön aussieht. Ich hatte noch nie einen Schuh- oder Taschentick, aber so vier oder fünf Paar Lederstiefel und Sneakers mit Lederbesatz habe ich dennoch im Schrank. Ja, ich habe sie noch, aber dazu später mehr.

Schuhe und Taschen aus Leder
Meine Sneakers mit Lederbesatz aus der „Zeit davor“ – ansonsten lieber in Baumwolle gehüllt.

Also, der Klick kam von außen. Irgendwann vor ein paar Jahren befand ich mich plötzlich in einer Diskussion darüber, ob es legitim sei, fremde Haut zu tragen. Ohne zu überlegen führte ich alle Punkte an, die gegen Leder sprechen, die ich aber vorher ignoriert hatte (ganz nach dem Motto: Ich kann mich selbst belügen, aber andere müssen die Wahrheit erfahren): Dass man nie sicher sein kann, woher das Leder überhaupt stammt, weil es meist nicht ausgezeichnet ist. Dass ein Großteil der Häute aus Ländern wie Brasilien und Indien kommt, wo es keine Tierschutzgesetze gibt oder sie nicht eingehalten werden. Dass Leder einen beachtlichen Beitrag leistet zur Intensivhaltung, weil es ein wichtiges Nebenprodukt der Fleischindustrie ist.

Leder ist schön und der Verzicht fällt schwer

Natürlich kam prompt die Reaktion, dass ich dann keine Lederprodukte mehr kaufen dürfte. Und ich antwortete: „Tu ich auch nicht mehr!“ Kaum war der Satz raus, dachte ich bei mir: „Scheiße, bin ich mir da wirklich sicher? Ein Kleiderschrank ohne Leder – will ich mir das antun?“ Aber eine meiner größten Stärken (heute kommen ganz schön viele meiner Eigenschaften ans Licht) ist zum Glück meine Zuverlässigkeit. Ich bin absolut zuverlässig – nicht nur anderen, sondern auch mir selbst gegenüber. Wenn ich etwas sage, dann meine ich es so, und wenn ich etwas verspreche, dann halte ich mich dran. Weil ich mir gleichzeitig noch eingestand, mich die ganze Zeit vorher eigentlich selbst belogen zu haben, war es gar nicht so schwer: Leder kommt mir nicht mehr in die Tüte.

Meine alten Lederschuhe schmeiße ich aber nicht etwa weg – das wäre ja Verschwendung. Im Gegenteil, ich hege und pflege sie, damit sie noch lange tragbar bleiben. Der Kauf von neuen Schuhen ist jetzt allerdings mit mehr Stress und Einschränkungen verbunden als vorher. Ja, es gibt viele vegane Onlineshops mit wunderschönen Modellen, aber ich beschäftige mich nicht allzu sehr mit Mode. Und so fällt mir dann eben morgens ein, dass ich nachmittags ein wichtiges Meeting habe (ich habe nie Meetings!), für das ich schicke Schuhe brauche. Dann ist es leider zu spät für die Bestellung und ich renne los und muss schlussendlich das einzige Paar nehmen, das es in meiner Größe gibt und das nicht nach Plastik riecht. Das ist der blöde Teil – der schöne ist der, dass ich kein schlechtes Gewissen bekomme.

Leder schadet auch den Menschen und der Umwelt

Ich habe daraus nämlich etwas äußerst Wichtiges gelernt: Man kann sich nicht selbst belügen. Irgendwo im Hinterstübchen sitzt das schlechte Gewissen und macht einem das Leben schwer. Es ist besser, es rauszulassen und ihm den Kampf anzusagen. Es ist unglaublich erleichternd, wenn es nichts mehr zu melden hat.

Übrigens gibt es auch für Tierhasser einige gute Gründe, kein Leder zu kaufen – nämlich der, dass die Lederproduktion ebenfalls schlecht für den Menschen und die Umwelt ist. In Gerbereien werden Giftstoffe verwendet, welche die dort arbeitenden Menschen krank machen und sogar töten. Und das sind neben Erwachsenen auch oft Kinder, denn wie jeder weiß, ist Kinderarbeit in vielen Entwicklungsländern an der Tagesordnung.

Zieh nicht an, was anderen gehört

Zumindest in meinem Umfeld gibt es kaum Leute, die Leder von exotischen Tieren tragen. Als ich allerdings gelesen habe, dass Experten vermuten, es gebe immer weniger große Schlangen, weil sie wegen ihrer Häute gefangen würden, entschied ich mich doch für einen kurzen Absatz darüber.

Jetzt wird es schlimm: Es gibt Beweise, dass Schlangen meist lebendig gehäutet werden. Die Händler denken wohl, dass die Haut dann besonders weich bleibt. Große Schlangen bekommen einen Schlauch in den Mund, durch den jede Menge Wasser gepumpt wird. So lockert sich angeblich die Haut und man kann sie leichter abziehen. Grausam, oder? Es kommt noch wilder: Die armen Tiere sterben daran nicht, sondern leben ohne Haut weiter, bis sie nach ein paar Tagen verenden. Den anderen Reptilien ergeht es nicht besser.

Mode soll etwas Schönes sein, das Freude bereitet – am besten allen Beteiligten. Mich macht es besonders glücklich, wenn ich an mir runtersehe und zwei Schuhe erblicke, die es einem Tier erlauben, weiterzuleben.

Vielleicht hast du ja Lust, dich mal über Lederalternativen zu informieren. Meistens sieht man überhaupt keinen Unterschied zu echtem Leder. Ich mag zum Beispiel die Taschen und Schuhe von Fritzi aus Preußen gerne.

Und vergiss nicht: Gib den Stimmlosen deine Stimme!

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